Mikhail - Orphica [Quartermass / Alive]

„Orphica nimmt den Hörer mit zu einem aufregenden akustischen Abenteuer“. Eine Phrase, die sich mit ausgetauschten Namen auf vielen Promozetteln der Republik findet. Selten passt sie aber so genau wie bei „Orphica“, dem Album von Mikhail Karikis aus Griechenland. Mikhail bewegt sich in einem Kontext experimenteller Musik, ist aber weit entfernt davon, die gegenwärtig damit assoziierten Klischees zu erfüllen. Er setzt nicht auf Reduktion, surrende Laptop- oder Synthieklänge oder Kakophonie, nein, sein Ansatz ist ein Orchestraler und Melodramatischer. Die Musik ist ein Hybrid aus Elementen der Minimalelektronik und denen klassischer Orchestermusik, inklusive fast schon arienhaftem Gesang. Wie zu erwarten war klingt das Ergebnis atmosphärisch äußerst divers, exzentrisch und voll. Auf jeden Fall ist „Orphica“ ein Album, das sich in völlig neue musikalische Gefilde aufmacht und Vergleiche nur sehr bedingt zulässt. Hin und wieder denkt man beim Gesang an Scott Walkers sehr ausgefallene Alben, dann wieder erinnern die störischen, aber gewaltigen Arrangements an Björk, mit der Mikhail auch schon zusammenarbeitete.

Sicher werden vornehmlich Popmusik gewohnte Hörer sehr ratlos von „Orphica“ zurückgelassen werden. Wem aber der Großteil des normalen Releaseplanes immer fader vorkommt, wird möglicherweise in der Platte eine wahre Offenbarung finden. Aufregend neu ist diese Musik in jedem Fall.

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Datum: 24.05.2007, 23:13 Uhr

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