Interview mit A Hundred Times Beloved

Zero von Felix Neumann, aka A Hundred Times Beloved, ist ein besonderes Stück Musik. Alle zehn Stücke dieses Albums sind von ihm selbst produziert, selbst geschrieben und selbst aufgenommen. Im Grunde nichts ungewöhnliches, doch betrachtet man das Ergebnis, versetzt einen diese Tatsache in ungläubiges Staunen.
Denn hier geht es nicht um Homerecording, sondern um großes Kopfkino. Zero ist ein gleichermaßen entspanntes wie komplexes und vielschichtiges Instrumentalwerk, das - musikalisch zwischen Mogwai und Sigur Rós angelegt - die Qualitäten des erst 19jährigen Musiker erstmals zu voller Geltung bringt. Denn diesmal heißt die Devise nicht 'LoFi', sondern 'Widescreen'...
Eine Besprechung des Albums bei Nillson findet ihr hier: klick!


Christian: Für Herbst ist eine Tour geplant. Du hast alle Stücke auf der Platte selbst eingespielt - wie werden die Konzerte aussehen? Wirst du solo mit elektronischer Unterstüzung auftreten?

Felix: Anfangs hatte ich geplant, solo auf der Bühne zu stehen. Da ich aber auf Zero sehr viele und sehr unterschiedliche Instrumente eingespielt hatte, bin ich von diesem Gedanken ziemlich schnell wieder abgekommen. Nur mit Gitarre und Laptop - funktionieren würde es ja schon. Ein netter Shoegazer-Kollege aus Regensburg namens Spruce handhabt das ja auch so.
Dennoch bin ich dann zum Entschluss gekommen, einen Kompromiss zu machen: Ich habe mir zwei befreundete Musiker gesucht, die mich auf der Tour unterstützen werden. Ich werde Gitarre spielen und gelgentlich singen [auf dem Debüt befanden sich noch einige Stücke mit Vocals], der STEEP-Gitarrist Sven Kröber wird ebenfalls mit seinem Gitarrenspiel ergänzen, und der Dritte im Bunde ist Sebastian Heckmeier vom Electronic-Producer-Team mindsuite, die sich eigentlich speziell auf House-Produktionen spezialisiert haben. Er wird alles Elektronische übernehmen. Live-Sampling, Keyboards usw.

Christian: Die Songs sind ja teilweise recht komplex arrangiert. Werdet ihr auf der Bühne versuchen, möglichst nah an die Studioversionen heranzukommen, oder werden die Stücke live ein wenig anders klingen?

Felix: Wir werden uns sicherlich an die Grundarrangements der Songs halten. Da A Hundred Times Beloved aber ja von Grund auf ein sehr experimentelles Projekt ist, wollen wir natürlich auch auf der Bühne viel ausprobieren. Songzeiten z.b. werden wir sicher nicht einhalten [lacht]. Gerade durch das Live-Sampling ergeben sich ja viele Möglichkeiten, das Material noch spannungsvoller zu präsentieren. Eine 1zu1-Kopie des Albums wäre ja auch irgendwie langweilig und - bedingt duch die vielen elektronischen Elemente - ja sonst auch nicht äußerst spektakulär.

Christian: Woher nimmst du deine Inspirationen für die doch sehr epischen Stücke?

Felix: Natürlich könnte ich nun einige Bands aus dem Shoegazer-, Electronic- oder Postrockbereich aufzählen, die wohl ähnlich ans Songwriting herangehen. Jedoch muss ich sagen, dass ich im Unterschied zur alten EP diesmal versucht habe, möglichst alle äußeren Einflüsse während der Aufnahmen von mir fernzuhalten.
In diesem Zeitraum habe ich selbst quasi keine Musik gehört - ausgenommen von solcher, die mit Sicherheit nicht als Inspiration gedient hätte. Meine Stücke entsehen immer aus spontanen Ideen, die mir im Laufe der letzten Zeit eingefallen sind, und die ich dann aus den einzelnen Puzzleteilen zu einem ganzen zusammenfüge. Bei Zero hab ich dann sogar noch die einzelnen Songs zu einem gesamten Konzept zusammengefügt. Wenn man so will, erzählt das Album eine zusammenhängende Geschichte.
Beim Arrangieren geh ich dann meistens recht gefühlsmäßig an die Sache heran. Vielleicht klingt es ein wenig kitschig, aber irgendwie sind die jeweiligen Stücke so etwas wie ein Abbild meiner Seele.

Christian: Dann scheinst du ein sehr sehnsuchtsvoller und emotionaler Mensch zu sein, wenn ich das richitig interpretiere?

Felix: Ja, leider manchmal etwas zu sehr. [lacht]

Christian: Du bist musikalisch sehr aktiv und hast noch andere Bands. Erzähl doch mal kurz.

Felix: Ich spiele in der Indiepop-Band STEEP den Bass. Eigentlich der komplette Gegensatz zu A Hundred Times Beloved. Mir macht das Live-Spielen sehr viel Spaß. Musikalisch gesehen sehne ich mich dann aber meistens immer nach mehr Tiefe, auch wenn das Abrocken auf sämtlichen kleinen und großen Bühnen auch seinen Reiz hat. A Hundred Times Beloved ist quasi sowas wie ein Ausgleich für mich. Hier kann ich mich kompromisslos entfalten, ohne auf die Wünsche der anderen Musiker eingehen zu müssen.
Außerdem helfe ich bei dem eben vorhin bereits erwähnten House-Projekt mindsuite bei den Instrumentierungen und Arrangements. Und momentan begebe ich mich auf komplettes Neuland und produziere einem talentierten Texteschreiber ein exerimentelles HipHop-Album.
Mit einem Freund aus Osnabrück hatte ich vor einiger Zeit auch ein Electronic-Pop-Projekt gegründet, das aber momentan, auf Grund der zahlreichen Beschäftigungen - u.a. auch Labelgründung usw. - still steht.
Zu guter letzt könnte ich noch ein weiteres, kleines Soloprojekt erwähnen, das ich aber mehr hobbymäßig, ohne größere Ambitionen betreibe - nur, um sich auch mal mit deutschsprachigen Texten austoben zu können: Marc Monolog.
Äh...ja, ich glaub das war alles.[lacht]

Christian: Vielen Dank!

Links zum Thema:
A Hundred Times Beloved im Netz
Nillson-Review zu Zero
Nillson-Review zu Sad Stories in LoFi


Datum: 02.05.2004, 22:36 Uhr

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